Rahmenvertrag Bundeswehr – eine Kontroverse – Teil 1

Militär

9 Juni/Gepostet von r.drechsel

In den ersten Tagen eines jeden soldatischen Lebens werden jungen Rekruten nicht allein die richtige Meldung beim Vorgesetzten, das vorschriftenkonforme Antreten oder aber das Kennen von NATO-Alphabet und Dienstgraden abverlangt. Nein. Auch das Thema „Rahmenvertrag Bundeswehr“ findet relativ schnell einen Platz auf dem Dienstplan – und ist somit Pflichtprogramm. Das bedeutet für jeden Soldaten eine Auseinandersetzung mit der 90-minütigen Rahmenvertrags-Unterrichtung – oftmals die erste Berührung mit dem Thema Versicherung. Die wünschenswerte „Nachbereitung“ des Themas im Kreise der Familie und Menschen, die man sich zur Beurteilung der Notwendigkeit eben aussucht, erfordert nicht nur eine hohe Grundmotivation mit der Sache, sondern vielmehr auch Fachwissen und Recherche über das Normale hinaus.

Hier kommt nun in der Regel GOOGLE ins Spiel und die teilweise wilde Internetrecherche mit diversen Forenbeiträgen beginnt. Eine Meinungsmitteilung bei „Wer kennt wen?“ durch „Gummibärchen78“  ist dann vielleicht mehr hinderlich als hilfreich… Einer meiner Motivationen hier mehr Sachlichkeit in das Thema „Rahmenvertrag Bundeswehr“  hineinzubekommen. Herzlich willkommen!

Dieses ganze Thema begleitet mich seit 2001 (Eintritt in die Bundeswehr als Offizieranwärter) bis zum heutigen Tag und darüber hinaus als Experte für die Themen Versicherung und Finanzen, sowie als erfahrener und vor allem unabhängiger Soldatenberater.

Die folgenden fünf Beiträge sollen nicht zur vorherrschenden „Verteufelung“ des Rahmenvertrages (RVBw) auf diversen Medien weiter beitragen, sondern jedem interessierten Soldaten eine Entscheidungshilfe sein und sollen gleichzeitig auch eine Art Türöffner für das Themen, wie Absicherung der eigenen Arbeitskraft bieten bis hin zum WECKRUF sich (endlich!) mit den Vor- und Nachteilen dieses Gebildes auseinanderzusetzen und die leider oftmals vorzufindenden Denkmuster (pro UND contra) aufzubrechen! Diese Beiträge (Teile 1 bis 5) stellen hier einen Auszug zu diesem Thema dar, erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzen keine Beratung!

Entstehung/Konsortium/Allgemeines

Seit 1962 bietet der Rahmenvertrag Bundeswehr (RVBw) Soldaten die Möglichkeit sich in den Bereichen Dienstunfähigkeit, Todesfall und Altersvorsorge abzusichern. Schwerpunkt der Unterrichtung ist das Thema Absicherung vor finanziellen Einbußen aufgrund gesundheitlicher Entlassung durch die Bundeswehr bzw. Versetzung in den Ruhestand. Das ganze Konstrukt ist politisch gewollt, da es sich beim Status Zeitsoldat um eine Art „Beamter auf Zeit“ handelt, der Vorsorgeansprüche aufgrund des Beamtengesetzes nicht stellen kann. (Ausnahmefall: Auslandseinsatz – dazu folgt bei ausreichend Feedback vielleicht auch mal ein neuer Beitrag)

Um das Risiko Dienstunfähigkeit beim Soldaten und die damit hohen Zahlungsverpflichtungen auf der Versicherungsseite in irgendeiner Form begrenzen zu können, kam es im RVBw zu einem Zusammenschluss (Konsortium) vieler deutscher Versicherer . Aktuell besteht das Konsortium aus 20 Versicherungsgesellschaften. Hierzu findet man im Bedingungswerk auch die prozentuale Aufteilung der vertretenen Gesellschaften am Rahmenvertrag – die Federführung liegt bei der Deutschen Beamtenversicherung (DBV).

Prinzipiell wird man als (Zeit-)Soldat im Laufe seiner Karriere mehrfach mit Unterrichtungen über den RVBw konfrontiert, so dass man hier durchaus von einer flächendeckenden Information sprechen kann. Der ein oder andere Soldat mag das als unnötige Diensterschwernis auslegen, aber gerade für die mit dem Thema unversorgten Soldaten, kann die Wiederholung ein wichtiger Impuls sein. Dieser erfolgt in Form 90-minütiger Vorträge durch entsprechend festgelegte Beauftragte, für in der Regel sehr große Personengruppen (Zug, Hörsaal, Kompanie). Es besteht die Möglichkeit, direkt am Ende der Unterrichtung Anträge mit den Teilnehmern schriftlich zu fixieren. Da ist ganz schön Tempo drin.

Rahmenvertragsbeauftragte und -kunden

Aktuellen Schätzungen zufolge geht man von ungefähr 45.000 bis 50.000 bestehenden RVBw-Verträgen aus – hier laut Hochrechnungen aber mit stark fallenden Neukundenquoten und einem geschätzten Kunden-Altersschnitt von Ü40. Schaut man sich dann die aktuelle Liste derer an, die für Unterrichtung und „Betreuung“ des RVBw tätig sind – die sogenannten RVBw-Beauftragte, dann zählt man 12… richtig… 12 offizielle Personen für das ganze (!) Gebiet der Bundesrepublik Deutschland und für alle Soldaten, die einen RVBw-Antrag zeichnen – somit Kunde werden.

Hier die aktuelle Liste der Rahmenvertragsbeauftragten mit den entsprechenden Standorten (viel Spaß bei der Recherche!):

http://www.rv-bundeswehr.de/pb/site/rvbundeswehr/get/documents/rvbundeswehr/Dokumente/PDF/RVBListe.pdf

Bei der Liste erkennt man auf den ersten Blick mit welcher Vielzahl an Kasernen und somit auch mit den entsprechenden Soldatenzahlen jeder Beauftragte konfrontiert ist. Schaut man sich einige Großstandorte aus der Liste an, dann muss man zu der Erkenntnis kommen, dass die flächendeckende Versorgung (hierzu der erneute Hinweis, dass 90 Minuten Pflichtunterricht für die Überzeugungsarbeit ausreichen müssen) zwar gegeben, aber die persönliche Betreuung in der Praxis nicht durchführbar ist.

„By the way“… Zu meinem RVBw-Beauftragten, der mit mir im Juli 2001 im Panzerpionierbataillon 4 BOGEN den Vertrag gezeichnet hatte, habe ich während meiner Dienstzeit als OA/Offz keinen Kontakt gehabt. Das ist kein Vorwurf, ich sehe das mit dem Abstand von mehreren Jahren eher so, dass jeder der 12 Beauftragten hier eher Opfer als Täter des Systems ist. Meine letzte beigewohnte Unterrichtung RVBw (01/2009) als stv. KpChef einer Rekrutenkompanie zeigt eine große Veränderung – es war mein Dienstgrad und die 8 Jahre, die zwischen den Unterrichtungen standen. Inhaltlich und leider auch beim Thema „Umgang mit Menschen“ gab‘ es weiterhin Stillstand. Wäre das nicht so traurig, dann könnte man jetzt wirklich drüber lachen!

Setzt man ergänzend die beiden oben aufgeworfenen Zahlen ins entsprechende Verhältnis, so ergibt sich eine interessante RVBw-Beauftragter/Kunden-Quote. Ein weiterer Impuls für das Thema und der Suche nach Alternativen…

WECKRUF! 

Damit endet der 1.Teil der aufgeworfenen Kontroverse.

Mögliche Fragen, die sich aus Teil 1 ergeben können

1.) Wieso dürfen mich nur RVBw-Beauftragte offiziell nach Dienstplan über das Thema „Absicherung im Fall Dienstunfähigkeit“ unterrichten?

2.) Wie individuell kann ich während einer 90-minütigen Unterrichtung im Zug-, Hörsaal- oder Kompanierahmen informiert werden?

3.) Was bedeutet es für mich als junger Soldat, wenn wenige junge Kameraden einen solchen Vertrag abschließen, die RVBw-Kunden dazu jedoch immer älter werden?

4.) Wer garantiert mir eine meiner Berufswahl entsprechend hohe Betreuungsqoute sollte sich an meinen Lebensumständen (dienstlich/privat) etwas ändern?

 

Vielen, vielen Dank für das Interesse!  Ich verweise vorab gerne auf Teil 2, der sich mit den Themen BAUSTEINE, ZIELGRUPPEN, ZIVILE ANBIETER auseinandersetzt.

HORRIDO

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r.drechsel
Posted by r.drechsel

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